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Inflation
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top
Unter einer Inflation (lateinisch inflare, âaufblähenâ, âanschwellen lassenâ;cite-ref-1[1] oder Preissteigerung, Teuerung) wird in der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaft der Anstieg einzelner Preise oder des Preisniveaus in einem Staat innerhalb eines bestimmten Zeitraums verstanden, ohne dass dies auf Mengen- oder Qualitätsveränderungen der GĂźter und Dienstleistungen zurĂźckzufĂźhren ist. Sofern das Gegenteil passiert und die Preise in einer Volkswirtschaft fallen, spricht man von Deflation, bleiben sie konstant von Preisniveaustabilität.
Inflation bezeichnet den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft.cite-ref-0-2-0[2]cite-ref-6-3-0[3]cite-ref-7-4-0[4]cite-ref-5[5]cite-ref-19-6-0[6] Während die Inflation den Vorgang als solchen beschreibt, ist die Inflationsrate (Preissteigerungsrate, Teuerungsrate) die volkswirtschaftliche Kennzahl, mit der das Ausmaà der Inflation gemessen wird.
Ein alternativer Begriff fĂźr Inflation ist die Geldentwertung. Steigt nämlich das allgemeine Preisniveau, kann man fĂźr jede Geldeinheit weniger GĂźter und Dienstleistungen erwerben, es ist eine Verteuerung eingetreten mit der Folge, dass der Geldwert sinkt. Damit ist der Geldwert G w {\displaystyle G_{w}} die reziproke GrĂśĂe zum Preisniveau P {\displaystyle P} :cite-ref-7[7]
G w = 1 P {\displaystyle G_{w}={\frac {1}{P}}} .
Das Preisniveau ist der gewogene Durchschnitt aller Preise fĂźr GĂźter und Dienstleistungen, eine ebenfalls in Geldeinheiten definierte GrĂśĂe.cite-ref-8[8] Die Entwicklung des Preisniveaus im Zeitablauf ist ein MaĂ fĂźr die Ănderung der Kaufkraft des Geldes.
Steigt das allgemeine Preisniveau, kann man fĂźr jede Geldeinheit weniger GĂźter und Dienstleistungen kaufen (Verteuerung). Folglich spiegelt die Inflation eine Abnahme der Kaufkraft pro Geldeinheit wider â ein realer Wertverlust des Zahlungsmittels.cite-ref-8-9-0[9]
Contents
⢠Definition
⢠Messung
⢠Warenkorb
⢠Ursachen
⢠Nachfrage
⢠Angebot
⢠Erwartungen
⢠Geldmenge
⢠Arten
⢠Auswirkungen
⢠Allgemein
⢠Negativ
⢠Positiv
⢠Formen
⢠Theorien
⢠Historisch
⢠Steuerung
⢠Geldpolitik
⢠Historisch
⢠Abgrenzung
⢠Kassenhaltung
⢠Inflationssteuer
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Rundfunkberichte
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Definition
Inflation bezeichnet den Anstieg des Preisniveaus einer Volkswirtschaft.cite-ref-0-2-1[2]cite-ref-6-3-1[3]cite-ref-7-4-1[4] Historisch bedeutete Inflation dabei einen spezifischen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, verursacht durch ein Ungleichgewicht zwischen Geldmenge und GĂźternachfrage.cite-ref-10[10] Heute verwenden Ăkonomen den Begriff Inflation ausschlieĂlich, um sich auf steigende Preisniveaus zu beziehen. Eine Zunahme der Geldmenge kann als monetäre Inflation bezeichnet werden, um sie von steigenden Preisen zu unterscheiden, die der Ăbersichtlichkeit halber als Preisinflation bezeichnet werden.
Inflation bezieht sich auf die allgemeine Preisentwicklung, nicht auf Ănderungen bestimmter Preise. Kaufen Konsumenten beispielsweise mehr Gurken und weniger Tomaten, werden Gurken teurer und Tomaten billiger. Diese Veränderungen sind jedoch keine Inflation â sie spiegeln lediglich eine Veränderung in den Präferenzen der Konsumenten durch SubstitutionsgĂźter wider.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12] Steigen einzelne Produktgruppen (wie etwa Energiekosten), so liegt eine Inflation vor.
Andere Begriffe der Wirtschaftswissenschaft im Zusammenhang mit Inflation sind:
⢠Disinflation â ein RĂźckgang der Inflationsrate
⢠Hyperinflation â eine auĂer Kontrolle geratene Inflationsspirale
⢠Stagflation â eine Kombination aus Inflation, langsamem Wirtschaftswachstum und hoher Arbeitslosigkeit
⢠Reflation â ein Versuch, das allgemeine Preisniveau anzuheben, um einem Deflationsdruck entgegenzuwirken
⢠VermĂśgenspreisinflation â ein allgemeiner Anstieg der Preise von finanziellen VermĂśgenswerten, wie Aktien, Immobilien oder Gold, ohne einen entsprechenden Anstieg der Preise von GĂźtern oder Dienstleistungen.
Messung
Da die Inflation als allgemeiner Anstieg des Preisniveaus definiert wird, hängt die Messung der Inflation davon ab, wie das allgemeine Preisniveau bestimmt ist.cite-ref-13[13] Es existieren dabei verschiedene mĂśgliche MaĂzahlen fĂźr das Preisniveau. BenĂśtigt wird ein breiter Preisindex, der das allgemeine Preisniveau fĂźr GĂźter und Dienstleistungen in der Wirtschaft repräsentiert und die Lebenshaltungskosten eines Privathaushalts widerspiegelt. Der Verbraucherpreisindex (VPI), der Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCEPI) und der BIP-Deflator sind einige Beispiele fĂźr solche breiten Preisindizes.cite-ref-14[14]
Die EZB verwendet zur Messung der Inflation der Eurozone den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI).cite-ref-15[15] Der Index wird mit Hilfe eines Warenkorbs berechnet, der in einem bestimmten Jahr (Basisjahr) repräsentativ fĂźr einen durchschnittlichen Haushalt festgesetzt wird. AuĂerdem werden die Kostenänderungen zum Erwerb von typischen nationalen KonsumbĂźndeln auf das Niveau der Eurozone aggregiert.cite-ref-16[16]
Neben dieser Methode hat sich in den Wirtschaftswissenschaften auch der Lebenshaltungskosten-Index (= COLI = cost of living index) etabliert. Dabei werden die Ausgaben gemessen, die Wirtschaftssubjekte zum Erreichen eines bestimmten Nutzenniveaus tätigen mßssen.
Daneben werden von Zentralbanken auch die Inflationserwartungen erfasst. Sie dienen der Prognose der zukĂźnftigen Inflationsrate und werden fĂźr geldpolitische Entscheidungen genutzt.cite-ref-24-17-0[17]
Ob und wie die Messung politisch beeinflusst wird, ist wichtig fĂźr die Beurteilung verĂśffentlichter Inflationszahlen.cite-ref-18[18]
Warenkorb
Siehe auch
:
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
und
Verbraucherpreisindex fĂźr Deutschland
Verbraucherpreisindizes basieren anders als der BIP-Deflator auf einem repräsentativ ausgewählten Warenkorb. In Deutschland ermittelt diese Daten das Statistische Bundesamt, in Ăsterreich die Statistik Austria und in der Schweiz das Bundesamt fĂźr Statistik. Der Warenkorb des deutschen Statistischen Bundesamtes umfasst 650 GĂźter und Dienstleistungen.cite-ref-22-19-0[19] Die genaue Zusammensetzung und Gewichtung des Warenkorbs werden in regelmäĂigen Abständen ĂźberprĂźft und sofern nĂśtig angepasst.cite-ref-22-19-1[19] Auf Grundlage des repräsentativen Warenkorbs und eines definierten Basisjahres werden jeden Monat die Kosten der GĂźter und Dienstleistungen und daraus die prozentuale Steigerung zum Vergleichsmonat oder Vorjahr ermittelt. Dabei werden monatlich mehr als 300.000 Einzelpreise in Geschäften in ganz Deutschland und im Onlinehandel erfasst.cite-ref-20[20]
Abrupte Ănderungen im Konsumentenverhalten kĂśnnen die Inflationsmessung verzerren. Das hat sich zum Beispiel in der COVID-19-Pandemie gezeigt, da aufgrund der staatlichen EindämmungsmaĂnahmen zahlreiche Waren und Dienstleistungen nicht mehr konsumiert werden konnten und der Warenkorb damit nicht mehr repräsentativ fĂźr den Konsum während der Krise war.cite-ref-21[21] Europäische StatistikbehĂśrden haben daher die Gewichtung des Warenkorbs aktualisiert, um den veränderten Konsumverhalten Rechnung zu tragen und eine korrekte Inflationsmessung sicherzustellen.cite-ref-22[22]
Weiterhin mĂźssen Qualitätsveränderungen der beobachteten Produkte im Zeitverlauf betrachtet werden.cite-ref-23[23] So unterliegen z. B. IT-Produkte einem groĂen technischen Fortschritt, weshalb die Qualitätsverbesserungen in der Inflationsmessung berĂźcksichtigt werden mĂźssen. Andererseits kĂśnnen Hersteller statt einer PreiserhĂśhung auch eine Qualitätsverschlechterung des Produktes durchfĂźhren, indem etwa die VerpackungsgrĂśĂe bei gleichem Preis verkleinert wird. Diese und andere Qualitätsveränderungen mĂźssen daher fĂźr eine korrekte Inflationsmessung erfasst werden.cite-ref-24[24] Daher wenden StatistikbehĂśrden wie das Statistische Bundesamt Methoden zur Qualitätsbereinigung an.cite-ref-18-25-0[25] Das sind verschiedene statistische Methoden, die sicherstellen sollen, dass trotz qualitativen Veränderungen der Produkte des Warenkorbs âGleiches mit Gleichemâ verglichen wird.cite-ref-26[26] In der deutschen Preisstatistik werden unter anderem folgende Methoden zur Qualitätsbereinigung angewendet:cite-ref-18-25-1[25]
⢠Direkter Preisvergleich (englisch Direct Price Comparison),
⢠Mengenbereinigung (englisch Package Size Adjustment),
⢠Expertenurteil (englisch Judgemental quality adjustment),
⢠Hedonische Techniken (englisch Hedonics),
⢠Preisänderung interpretiert als reine Qualitätsänderung (englisch Price change taken as quality change).
Internationale Studien zeigen, dass die mit WarenkÜrben ermittelte Inflation systematisch zu hoch liegt.cite-ref-5-27-0[27]cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]cite-ref-30[30] Darin wurden zwei hauptsächliche Grßnde fßr diese Fehleinschätzung ausgemacht: verändertes Kaufverhalten und verändertes Warenangebot. Durch steigende Preise verändert sich das Kaufverhalten der Konsumenten, die nun zu gßnstigeren Alternativen greifen oder gewisse Produkte weniger stark konsumieren. Auch werden Geschäfte und Händler zunehmend bevorzugt, die Produkte gßnstiger anbieten. Dadurch verändern sich aber der Warenkorb und die realen durchschnittlich bezahlten Preise fßr Produkte, was in der Berechnung der Inflation nicht abgebildet wird. Zudem werden neu eingefßhrte Produkte und deren häufig schnell sinkenden Preise oftmals in den betrachteten WarenkÜrben nicht betrachtet, was ebenfalls zu einer Verzerrung der berechneten Inflation fßhrt. Insgesamt wird die Abweichung zur realen Inflation bei ca. einem Prozent eingeschätzt.
2021 gab die Europäische Zentralbank im Rahmen ihrer geldpolitischen StrategieĂźberprĂźfung bekannt, die Preisentwicklung fĂźr selbst genutzte Wohnimmobilien in die Inflationsmessung zu integrieren, um die allgemeine Preisentwicklung fĂźr Konsumenten im Euroraum besser abzubilden â die Mietpreisentwicklung wird bereits erfasst.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]
Kernrate
â
Hauptartikel
:
Kerninflation
Die Kernrate der Inflation schlieĂt die Preise fĂźr Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese in stärkerem MaĂe Schwankungen unterworfen sind, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft zu finden sind.cite-ref-33[33]
GefĂźhlte Inflation
Siehe auch
:
Kognitive Verzerrung
und
Bestätigungsfehler
GefĂźhlte Inflation bezeichnet die von Konsumenten subjektiv bzw. individuell wahrgenommene Inflationsrate â im Gegensatz zur tatsächlichen und mit wissenschaftlicher Methodik gemessenen.cite-ref-34[34] Ein Grund fĂźr mĂśgliche Abweichungen der gefĂźhlten zur gemessenen Inflation ist die Tatsache, dass im Warenkorb, der zur Inflationsmessung herangezogen wird, sowohl Produkte des täglichen Bedarfs (z. B. Lebensmittel) als auch langlebige KonsumgĂźter (z. B. Autos) enthalten sind. Daher kĂśnnen die Produkte in Auswahl oder Gewichtung nicht mit der jedes einzelnen Konsumenten bzw. jeder individuellen Konsumentengruppe Ăźbereinstimmen; darĂźber hinaus ist die Wahrnehmung von Preisveränderungen fĂźr Waren des täglichen Bedarfs aufgrund ihrer Bedeutung und ihres häufigeren Einkaufs sensibler als die fĂźr langlebige KonsumgĂźter; und so liegt die gefĂźhlte Inflation Ăźber der gemessenen, wenn die Preise fĂźr Waren des täglichen Bedarfs stärker steigen als die langlebiger KonsumgĂźter.cite-ref-35[35]
Eine Studie aus dem Herbst 2022 zeigte, dass der Median der gefĂźhlten Inflation bei etwa 25 % lag, während die real gemessene Inflation circa 10 % betrug.cite-ref-30-36-0[36] Deutlich wird dabei die sehr groĂe Diskrepanz zwischen der amtlichen Inflationsrate, die Ăźber einen repräsentativen Warenkorb alle fĂźr Konsumenten relevanten Preisentwicklungen abdeckt und der gefĂźhlten Inflation, die sich meist auf einzelne Warengruppen beschränkt.cite-ref-30-36-1[36]
Die moderne VerhaltensÜkonomik erklärt das Phänomen als kognitive Verzerrung, genauer gesagt als Bestätigungsfehler.cite-ref-23-37-0[37]
Teuro
â
Hauptartikel
:
Teuro
Das Phänomen der gefĂźhlten Inflation wurde insbesondere nach der EinfĂźhrung des Euro in Deutschland und Ăsterreich breit diskutiert.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40] Dabei kam es nach Umfragen in der deutschen BevĂślkerung zu Abweichungen von den statistisch ermittelten Inflationsraten.cite-ref-41[41] Aus diesem Grund hat Hans Wolfgang Brachinger in einem gemeinsamen Projekt mit dem Statistischen Bundesamt den Index der wahrgenommenen Inflation fĂźr Deutschland berechnet.cite-ref-42[42] Es konnte dabei gezeigt werden, dass die wahrgenommene Inflation (gemessen mit Hilfe des Indexes der wahrgenommenen Inflation) bei der Euro-BargeldeinfĂźhrung deutlich hĂśher lag als die gemessene Inflationsrate. Dies ist darauf zurĂźckzufĂźhren, dass bestimmte Produktkategorien wie Lebensmittel, Benzin oder Verkehr einen relativ hĂśheren Preisanstieg hatten als Produktkategorien wie Computer, Autos oder Pauschalreisen.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]
Eine weitere Erklärung fĂźr die gefĂźhlte Abweichung kann auch die schwache Lohnentwicklung sein, die unterhalb der Inflationsrate lag. Die NettolĂśhne in Deutschland waren in den 10 Jahren nach Euro-EinfĂźhrung leicht rĂźckläufig. Die Kaufkraft ist also real gesunken.cite-ref-45[45] Auch in Ăsterreich zeigte sich ein RĂźckgang der Kaufkraft.cite-ref-46[46]
Inflationserwartungen
Neben der Inflationsrate werden auch die Inflationserwartungen von Konsumenten, Unternehmen, Finanzmarktexperten und anderen Marktteilnehmern ermittelt.cite-ref-24-17-1[17] Die Erwartungen der Menschen in Bezug auf die kĂźnftige Preisentwicklung beeinflussen ihr Ăśkonomisches Verhalten â wie sie heute ihr Geld ausgeben bzw. investieren oder ob sie Kredite aufnehmen. Inflationserwartungen spielen eine wichtige Rolle fĂźr die Prognose und Modellierung der zukĂźnftigen Inflationsrate und werden von Zentralbanken fĂźr geldpolitische Entscheidungen verwendet.cite-ref-47[47]cite-ref-24-17-2[17]
Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Methoden zur Messung der Inflationserwartungen:cite-ref-48[48]
⢠Umfragebasierte Methode,
⢠marktbasierte Methode.
Umfragebasierte Messmethoden der Inflationserwartungen befragen eine bestimmte Gruppe (z. B. Privathaushalte oder Finanzmarktexperten) hinsichtlich ihrer Inflationserwartungen ßber einen bestimmten Zeitraum. Im Rahmen des Eurosystems werden Umfragen zu Inflationserwartungen in Deutschland von der Bundesbank monatlich durchgefßhrt.cite-ref-49[49] Das ZEW in Mannheim befragt seit Dezember 1991 monatlich Finanzexperten/-innen zu deren Inflationserwartungen in Deutschland, der Eurozone und den USA.cite-ref-50[50] Bei den marktbasierten Messmethoden wird die Inflationserwartung der Kapitalmärkte erfasst. Dazu zählt zum Beispiel die Breakeven-Inflation (BEI). Sie ist ein Maà fßr die Inflationserwartungen, die sich aus der Differenz zwischen der Nominalrendite einer festverzinslichen Anleihe und der Realrendite einer inflationsindexierten Anleihe gleicher Laufzeit und Anlageklasse ergibt.cite-ref-51[51] Die Breakeven-Inflationsrate ist die direkte Markterwartung der Inflation.cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]
Zentralbanken nutzen sowohl umfragebasierte als auch marktbasierte Messmethoden, um die Inflationserwartungen von so vielen Ăśkonomischen Akteuren wie mĂśglich zu beachten und sie durch geldpolitische MaĂnahmen zu steuern.cite-ref-24-17-3[17]
Ursachen
Die moderne Wirtschaftswissenschaft erklärt Inflation aus der Interaktion von Angebot und Nachfrage.cite-ref-31-54-0[54] Daneben wirken auch die Inflationserwartungen der Ăśkonomischen Agenten auf die Inflation.cite-ref-19-6-1[6]cite-ref-28-55-0[55] Auch die Fiskalpolitik hat einen gewichtigen Einfluss auf die längerfristige Inflationsentwicklung.cite-ref-56[56] Die Inflationsentwicklung in realen Ăkonomien kann in der Regel nicht auf eine Ursache reduziert werden, sondern resultiert aus der relativen, dynamischen Interaktion der genannten Faktoren.cite-ref-57[57]
Daneben gibt es historisch einflussreiche Erklärungsansätze fßr Inflation, wie die Geldmenge. (Quantitätstheorie)cite-ref-20-58-0[58] Empirische Forschung zeigte, dass dieser Zusammenhang lediglich bei hoher Inflation und Hyperinflation existiert.cite-ref-20-58-1[58]cite-ref-29-59-0[59]
Nach den Ursachen fĂźr die Inflation wird unterschieden:cite-ref-60[60]
⢠Geldmengenbedingte Inflation (englisch money supply inflation): Die Geldmenge M {\displaystyle M} nimmt stärker zu als die Gßtermenge G {\displaystyle G} , beispielsweise durch erhÜhte GeldschÜpfung im Bankensektor; es kommt zu einem Ungleichgewicht:
M > G {\displaystyle M>G} .
Um zum Marktgleichgewicht zurĂźckzukehren, mĂźssen die Marktpreise steigen.
⢠Nachfragebedingte Inflation (englisch demand push inflation): Die KonsumgĂźternachfrage steigt stärker als das KonsumgĂźterangebot, die private InvestitionsgĂźternachfrage ist grĂśĂer als das InvestitionsgĂźterangebot, die Staatsausgaben steigen stärker als die Staatseinnahmen, die Exporte sind grĂśĂer als die Importe.
⢠Kostenbedingte Inflation (englisch cost push inflation): Die Faktorkosten fßr die Produktionsfaktoren steigen (etwa Arbeitskosten; englisch wage push inflation) oder durch hÜhere Rohstoffpreise (importierte Inflation). Sie kann die Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen.
⢠Gewinnbedingte Inflation (englisch profit push inflation): Durch zunehmende Marktmacht (etwa durch Monopolisierungen) kÜnnen Unternehmen ihre Preise und damit ihre Gewinnmargen erhÜhen.
⢠Importierte Inflation (englisch imported inflation) stammt aus den AuĂenbeziehungen einer Volkswirtschaft und zeigt sich in einem hohen Preisniveauwachstum im Ausland, das durch Importe in das Inland Ăźbertragen wird.
Bei allen Ursachen zeigt sich, dass stets Ăśkonomische Ungleichgewichte der Grund von Inflationen sind. Befinden sich beispielsweise GĂźterangebot und Geldmenge im Gleichgewicht, geht hiervon keine Inflationsgefahr aus.
Nachfrage
Die nachfragebedingte Inflation, auch Nachfragesoginflation entsteht, wenn die Gesamtnachfrage das Gesamtangebot Ăźbersteigt.cite-ref-61[61] Einfach ausgedrĂźckt: Wenn die Produktion nicht mit der Verbrauchernachfrage Schritt halten kann, folgen schnell hĂśhere Preise.
Nachfragesoginflation tritt normalerweise auf, wenn die Wirtschaft fast auf Vollbeschäftigungsniveau ist. Unternehmen werden ihre Preise aufgrund der hohen Nachfrage erhÜhen, um Profite zu maximieren.cite-ref-19-6-2[6]
Es gibt vier Ursachen fĂźr Nachfragesoginflation:cite-ref-62[62]
⢠Privathaushalte: ErhÜhen ihre Ausgaben, wenn sie zuversichtlich hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung sind
⢠Unternehmen: ErhÜhen ihre Investitionen, wenn das Bruttoinlandsprodukt eines Landes steigt
⢠Staatsausgaben: KÜnnen zu Inflation fßhren, wenn die Wirtschaft bereits ihr volles Produktionspotential ausschÜpft (Crowding-out)
⢠Auslandsinvestitionen: Wenn der Wechselkurs Konsumenten aus einem anderen Land begßnstigt, kÜnnen diese die Nachfrage erhÜhen
Zentralbanken kĂśnnen im Fall von Nachfrageinflation die Leitzinsen erhĂśhen, um die Gesamtnachfrage zu senken und damit die Inflationsentwicklung stabilisieren.cite-ref-63[63]
Angebot
Die angebotsbedingte Inflation, auch Kostendruckinflation liegt vor, wenn Unternehmen die Preise aufgrund steigender Produktions- oder Rohstoffkosten erhĂśhen.cite-ref-64[64] Man spricht in diesem Falle auch von einem negativen Angebotsschock, welcher die Kostendruckinflation verursacht.
Es gibt im Wesentlichen vier Ursachen fĂźr negative Angebotsschocks und damit fĂźr angebotsbedingte Inflation:cite-ref-19-6-3[6]
⢠HÜhere Energiepreise: Ein plÜtzlicher Anstieg der Energiepreise kann hÜhere Produktions- oder Transportkosten fßr Unternehmen aller Wirtschaftssektoren auslÜsen.
⢠HÜhere Steuern: Steigen die Steuern, die Unternehmen zahlen mßssen, werden meist die Preise angepasst.
⢠HÜhere LÜhne: Steigen die LÜhne fßr die Arbeitnehmer, passen die Unternehmen häufig die Warenpreise an, um die Gewinnmargen hoch zu halten.
⢠Importierte Inflation: Wenn Handelspartner Inflation erleben, kann ein Teil der Inflation durch Importe ßbertragen werden.
Kostendruckinflation ist in der Regel transitorischer Natur, d. h. sie wird schneller als andere Arten von Inflation gelÜst.cite-ref-65[65] Daher sind Zentralbanken geneigt, die Zinssätze nicht zu verändern, wenn Kostendruck als die Ursache einer hohen Inflationsrate angesehen wird.cite-ref-66[66] Zudem steuert die Geldpolitik lediglich die Gesamtnachfrage, kann daher nicht die Ursachen fßr angebotsbedingte Inflation beseitigen. Allerdings kÜnnen Zentralbanken bei lang anhaltender Kostendruckinflation die Zinsen erhÜhen, um damit die Gesamtnachfrage zu reduzieren und dadurch die Inflationsentwicklung stabilisieren.cite-ref-67[67]
Erwartungen
Siehe auch
:
Rationale Erwartung
und
Lohn-Preis-Spirale
Die Erwartungen der Ăśkonomischen Agenten Ăźber zukĂźnftige Inflationsraten sind sehr wichtig in der Ăkonomie.cite-ref-28-55-1[55]cite-ref-68[68] Sie kĂśnnen die Lohn- und Preisentwicklung, Zinssätze und damit das allgemeine Preisniveau wesentlich beeinflussen.cite-ref-16-69-0[69] Zum Beispiel werden Unternehmen abhängig von ihren Inflationserwartungen unternehmerische Entscheidungen, etwa Ăźber Investitionen oder Preisgestaltung treffen.cite-ref-70[70] Konsumenten passen ihr Konsumverhalten und damit die Nachfrage abhängig von ihren Inflationserwartungen an.cite-ref-71[71]cite-ref-72[72] Daneben sind Inflationserwartungen mehr oder weniger in die Nominalzinssätze eingepreist, sodass ein Anstieg oder RĂźckgang der erwarteten Inflation in der Regel zu einem Anstieg oder RĂźckgang der Nominalzinssätze fĂźhrt.cite-ref-25-73-0[73] Damit beeinflussen Inflationserwartungen die Steigung, Form und HĂśhe der Zinsstrukturkurve.cite-ref-25-73-1[73]
Darßber hinaus beeinflussen die Erwartungen die Inflationsrate auch direkt.cite-ref-28-55-2[55]cite-ref-74[74] Dabei kann es zu selbsterfßllenden Prophezeiungen kommen. Gehen Gewerkschaften und Unternehmen etwa von dauerhaft steigenden Preisen aus, werden sie Tarifabschlßsse erzielen, um die erwartete Inflation auszugleichen.cite-ref-75[75] Eine Grundlage der Abschlßsse ist somit die erwartete Inflation. Gehen Gewerkschaften und Unternehmen dabei von einer zu hohen Inflationsentwicklung aus, erzeugen sie die zusätzliche Inflation durch ihr eigenes Handeln.cite-ref-76[76] Falsche Inflationserwartungen kÜnnen somit Ausgangspunkt fßr Lohn-Preis-Spiralen sein.cite-ref-28-55-3[55]cite-ref-77[77]
Der Kommunikation der Geldpolitik kommt eine Schlßsselrolle zu, um die Inflationserwartungen zu beeinflussen.cite-ref-78[78] Notenbanken mßssen darauf achten, dass die Inflationserwartungen verankert sind, d. h. dass sie auf mittlere und lange Sicht dem geldpolitischen Ziel der Preisstabilität entsprechen.cite-ref-79[79] Notenbanken nutzen deshalb Kommunikationsstrategien wie Forward guidance und Geldpolitik, um die Inflationserwartungen von Märkten und Konsumenten zu steuern.cite-ref-80[80] Studien zeigen eine konjunkturstabiliserende Wirkung.cite-ref-81[81]cite-ref-82[82]
Geldmenge
â
Hauptartikel
:
Quantitätstheorie
Der historisch älteste Erklärungsansatz fĂźr Inflation ist die Quantitätstheorie.cite-ref-15-83-0[83] Die Quantitätstheorie postuliert anhand der Quantitätsgleichung, dass das Preisniveau immer dann steige, wenn (bei Konstanz der jeweiligen beiden anderen GrĂśĂen):
⢠die Geldmenge zunimmt (GeldschÜpfung),
⢠die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, oder
⢠die reale Produktion (das Handelsvolumen) sinkt.
Oder anders ausgedrĂźckt entsteht Inflation laut der Quantitätsgleichung dann, wenn das Geldmengenwachstum grĂśĂer ist als die Differenz aus der Ănderung des Handelsvolumens und der Ănderung der Umlaufgeschwindigkeit. Die Inflation lässt sich daher nicht ohne weiteres auf eine Ausweitung der Geldmenge reduzieren, sondern es mĂźssen ebenso die Umlaufgeschwindigkeit und die reale Produktion betrachtet werden.
FrĂźhere Untersuchungen legten zwischen 1970 und 1990 noch einen langfristigen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation nahe.cite-ref-84[84]cite-ref-21-85-0[85] Neuere Studien fĂźr den Euroraum und die Vereinigten Staaten sehen ab den 1990er- bzw. schon ab den 1980er-Jahren eine Abschwächung oder gar eine Aufhebung des langfristigen Zusammenhangs. In diesem Zeitraum konnte trotz lockerer Geldpolitik eine niedrige Inflation beobachtet werden und das Geldmengenwachstum verlor seine Funktion als Leitindikator fĂźr die Inflation.cite-ref-86[86]cite-ref-87[87]cite-ref-21-85-1[85] Ein Problem dieser Theorie wurde darin gesehen, dass bestimmte liquide VermĂśgensanlagen ein Ersatz fĂźr Geld darstellen kĂśnnen, diese aber nicht in der Definition der Geldmenge enthalten sind. Daraufhin wurden erweiterte Definitionen der Geldmenge erstellt (sogenannte Geldmengenaggregate). Allerdings zeigen empirische Daten auch hier keinen engen Zusammenhang zwischen Wachstum der Geldmengenaggregate und Inflation.cite-ref-20-58-3[58] Die Quantitätstheorie gilt daher heute als nicht mehr ausreichend, um die Inflation in modernen Volkswirtschaften zu verstehen, ist aber noch fĂźr die Erklärung hoher Inflationsraten durch extremes Geldmengenwachstum von Bedeutung.cite-ref-21-85-2[85] Geldmengenaggregate spielen fĂźr die Geldpolitik von Zentralbanken â bis auf diese Sonderfälle â keine Rolle mehr.cite-ref-14-88-0[88]
Arten
Es gibt folgende Arten von Inflation:cite-ref-gabler-109-89-0[89]
⢠Nach der Wahrnehmbarkeit:
⢠Offene Inflation: Die Preissteigerungen sind fßr alle Wirtschaftssubjekte erkennbar.
⢠Verdeckte/versteckte oder (zurßck)gestaute Inflation:cite-ref-90[90] Preissteigerungen werden durch staatliche Preisgrenzen (HÜchstpreise, Festpreise, Preisdeckel oder Preisstopp) nicht sofort erkennbar oder es verringern sich bei konstanten Preisen die hierfßr erhältlichen Produktmengen. Auch die Verringerung der Mengen oder der Produktqualität/Dienstleistungsqualität bei gleichbleibendem Preis ist deshalb eine versteckte Inflation.
⢠Skimpflation (englisch to skimp + inflation, âknausernâ) ist die Bezeichnung fĂźr eine versteckte Inflation, die durch abnehmende Produktqualität durch minderwertigere Inhaltsstoffe bei konstant bleibendem Preis gekennzeichnet ist.cite-ref-91[91]
⢠Nach der HÜhe der Inflationsraten:cite-ref-92[92]
⢠Schleichende Inflation: Die Preissteigerungen sind sehr niedrig und setzen sich fßr eine lange Zeit wenig auffällig fort. Erst ßber einen längeren Zeitraum hinweg ist das Ausmaà der Inflation erkennbar.cite-ref-gabler-109-89-1[89] Die schleichende Inflation ist meist die Folge einer Vollbeschäftigung.
⢠Galoppierende Inflation: Die Inflationsraten liegen bei mehr als 10 % jährlich. Das Vertrauen in den Geldwert und die Währung schwindet, es wird nicht mehr gehortet oder gespart, sondern es findet Entsparen statt. Zur galoppierenden Inflation gehÜrt als besonders extremer Fall die Hyperinflation, die nach einer 1956 von Phillip D. Cagan aufgestellten Faustregel mindestens 13.000 % jährlich beträgt.cite-ref-93[93]
Keine eigenständige Art ist die Stagflation, bei der eine Kombination aus Inflation, stagnierendem Wirtschaftswachstum (daher das Kofferwort aus âStagnationâ und âInflationâ) und hoher Arbeitslosigkeit vorliegt. Disinflation ist ein Prozess der wirtschaftspolitisch gesteuerten RĂźckfĂźhrung eines unerwĂźnschten Preissteigerungstempos auf ein tolerierbares MaĂ.cite-ref-94[94]
Auswirkungen
Allgemein
Inflation spiegelt die Abnahme der Kaufkraft einer Währung wider. Das heiĂt, wenn das allgemeine Preisniveau steigt, kann jede Währungseinheit insgesamt weniger Waren und Dienstleistungen kaufen. Man unterscheidet dabei zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation. Die Effekte der Inflation kĂśnnen davon abhängen, ob es erwartete oder unerwartete Inflation ist. Erwartete Inflation kann von rationalen Akteuren bereits in Ăśkonomische Handlungen und Prognosen integriert werden. Gewerkschaften fĂźhren Lohnverhandlungen in Abhängigkeit von der erwarteten Inflationsentwicklung. Unternehmen gestalten die Preise ihrer Produkte und Dienstleistungen ebenfalls in Abhängigkeit von der erwarteten Inflation.cite-ref-95[95] Das ist jedoch kurz- und mittelfristig davon abhängig, inwiefern Starrheiten bei LĂśhnen und Preisen existieren. Diese kĂśnnen dann nicht sofort an die Inflationserwartungen angepasst werden.cite-ref-96[96]
Schuldner, die zum Beispiel Schulden mit einem festen Nominalzins haben, erhalten mit steigender Inflationsrate eine Senkung ihres ârealenâ Zinssatzes. Der Realzins eines Kredits ist der Nominalzins abzĂźglich der Inflationsrate. Banken und andere Kreditgeber passen sich dem Inflationsrisiko an, indem sie entweder eine Inflationsrisikoprämie fĂźr festverzinsliche Kredite verlangen, oder Kredite mit einem variablen Zinssatz vergeben. Lediglich ein unerwarteter Anstieg der Inflationsrate Ăźber die bereits eingepreiste Risikoprämie hinaus wĂźrde zu realem Zinsgewinn fĂźhren.
Im 21. Jahrhundert befĂźrworten die meisten Ăkonomen eine niedrige und stetige Inflationsrate.cite-ref-1-98-0[98]cite-ref-99[99]cite-ref-100[100] Das Ziel ist daher eine niedrige positive Inflationsrate und nicht eine Null- oder negative Inflationsrate, da letztere Rezessionen verursachen oder verschlimmern kĂśnnte.cite-ref-101[101] Eine niedrige Inflation (im Gegensatz zu einer Null- oder negativen Inflation) verringert die Schwere wirtschaftlicher Rezessionen, indem sie dem Arbeitsmarkt ermĂśglicht, sich in einem wirtschaftlichen Abschwung schneller anzupassen.cite-ref-2-102-0[102] Ferner verringert sie das Risiko, dass eine Liquiditätsfalle die Geldpolitik daran hindert, die Wirtschaft zu stabilisieren.cite-ref-103[103]cite-ref-2-102-1[102] Zentralbanken streben eine niedrige Inflationsrate an, weil sie glauben, dass eine hohe Inflation wirtschaftliche Kosten verursacht, da Unsicherheit in den Erwartungen Ăźber Unterschiede in den relativen Preisen und Ăźber die Inflationsrate erzeugt wĂźrde.cite-ref-104[104]
Negativ
Hohe oder unerwartete Inflation gilt als schädlich fĂźr die Ăkonomie. Sie fĂźhrt zu Ineffizienzen auf dem Markt und erschwert es Konsumenten und Unternehmen langfristig zu planen. Inflation kann die Produktivität beeinträchtigen, da Unternehmen gezwungen sind, eigene Ressourcen weg von Produkten und Dienstleistungen zu verlagern, um sich auf die Steuerung der Inflation zu konzentrieren.cite-ref-105[105] Unsicherheit Ăźber die zukĂźnftige Kaufkraft des Geldes fĂźhrt dazu, dass nominale VermĂśgenswerte wie Spareinlagen und Anleihen unattraktiver werden, da diese im Falle einer Inflation an Wert verlieren. Dies fĂźhrt zu hĂśheren Risikoprämien, da Investoren eine Absicherung gegen das eingegangene Inflationsrisiko fordern. Die Folge sind hĂśhere Zinsen, was die Investitionstätigkeit senkt.cite-ref-106[106]
Bei hoher Inflation wird die Kaufkraft von Personen mit fixem Nominaleinkommen, zu Personen mit variablem Einkommen umverteilt, da deren Einkommen mit der Inflation besser Schritt halten kÜnnen. Diese Umverteilung der Kaufkraft findet auch zwischen internationalen Handelspartnern statt. Wenn feste Wechselkurse bestehen, fßhrt Inflation dazu, dass sich die Importe aus diesem Währungsraum verteuern. Dies kann sich auf die Handelsbilanz auswirken. Bei flexiblen Wechselkursen fßhrt unerwartete Inflation zu erhÜhter Volatilität der Wechselkurse, was sich negativ auf den Handel auswirken kann.
Horten
Viele Menschen kaufen langlebige und/oder nicht-verderbliche Waren und GĂźter als VermĂśgensaufbewahrung, um den erwarteten Kaufkraftverlust ihres Geldes zu vermeiden. Dies fĂźhrt zu einer Verknappung der gehorteten GĂźtercite-ref-107[107] und oft auch dazu, dass deren Preis steigt.
Soziale Unruhen
Hohe, nicht durch hĂśhere LĂśhne hervorgerufene Inflation kann zu massiven Demonstrationen und Revolutionen fĂźhren.cite-ref-108[108] Die Inflation und insbesondere die Nahrungsmittelinflation wird beispielsweise als einer der HauptgrĂźnde fĂźr die Revolution in Tunesien 2010/2011cite-ref-109[109] und die Revolution in Ăgypten 2011cite-ref-110[110] angesehen. Der tunesische Präsident Zine el-Abidine Ben Ali wurde gestĂźrzt, auch der ägyptische Präsident Husni Mubarak wurde nach nur 18 Tagen Demonstrationen gestĂźrzt, und die Proteste breiteten sich bald in vielen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens aus.
Hyperinflation
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Hauptartikel
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Hyperinflation
Wenn die Inflation zu hoch wird, kann dies dazu fĂźhren, dass die Menschen ihre Verwendung der Währung stark einschränken, was zu einer Beschleunigung der Inflationsrate fĂźhrt. Die hohe und sich beschleunigende Inflation stĂśrt das normale Funktionieren der Wirtschaft massiv und beeinträchtigt ihre Fähigkeit, Waren zu liefern. Hyperinflation kann dazu fĂźhren, dass die Landeswährung nicht mehr verwendet wird (z. B. in Nordkorea), was zur EinfĂźhrung einer AuĂenwährung (Dollarisierung) fĂźhrt.cite-ref-111[111]
Allokative Ineffizienz
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Hauptartikel
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Allokative Effizienz
Eine Ănderung des Angebots oder der Nachfrage nach einem Gut fĂźhrt normalerweise zu einer Ănderung seines relativen Preises. Dies signalisiert den Käufern und Verkäufern, dass sie als Reaktion auf die neuen Preise Ressourcen neu zuteilen sollten. Aber wenn sich Preise aufgrund von hoher Inflation ständig ändern, sind Preisänderungen aufgrund echter relativer Preissignale schwer von Preisänderungen aufgrund allgemeiner Inflation zu unterscheiden. Dadurch kĂśnnen die Agenten nur langsam darauf reagieren. Die Folge ist ein Verlust an allokativer Effizienz.cite-ref-112[112]
Preisanpassungskosten
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Hauptartikel
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Preisanpassungskosten
Bei hoher Inflation mĂźssen Unternehmen ihre Preise häufig ändern, um mit den gesamtwirtschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten. Aber oft verursacht das Ăndern von Preisen selbst wieder Kosten. So mĂźssen Preisschilder und Verträge neu gedruckt, oder ganze Preiskalkulationen neu berechnet werden, was Ressourcen bindet. Man nennt diese Kosten Preisanpassungskosten.cite-ref-113[113]
Positiv
Arbeitsmarkt
Die NominallÜhne passen sich nur langsam nach unten an. Dies kann zu anhaltenden Ungleichgewichten und hoher Arbeitslosigkeit auf dem Arbeitsmarkt fßhren. Da die Inflation die ReallÜhne auch bei konstanten NominallÜhnen sinken lässt, ermÜglicht eine moderate Inflation ein schnelleres Gleichgewicht auf den Arbeitsmärkten.cite-ref-114[114]cite-ref-2-102-2[102] Dies gilt, insofern die LÜhne nicht in Lohnverhandlungen an die Inflation angepasst werden kÜnnen.
Liquiditätsfalle
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Hauptartikel
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Liquiditätsfalle
Eines der wichtigsten Instrumente zur Steuerung der Geldmenge ist die MĂśglichkeit, die Leitzinsen festzulegen, also den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen kĂśnnen. Daneben gibt es die Offenmarktpolitik, d. h. Interventionen der Zentralbank auf dem Rentenmarkt, mit dem Ziel, den nominalen Zinssatz zu senken. Beide MaĂnahmen sollen die allgemeinen Zinsen senken, um dadurch positive Konjunktureffekte auszulĂśsen. Befindet sich eine Ăkonomie in einer Rezession mit bereits niedrigen oder sogar null Nominalzinsen, kann die Zentralbank die Zinsen nicht weiter senken, um die Wirtschaft anzukurbeln â diese Situation wird als Liquiditätsfalle bezeichnet.cite-ref-11-115-0[115] Diese Situation kann aber durch niedrige und konstante Inflation verhindert werden.
Mundell-Tobin-Effekt
Robert Mundell stellte fest, dass eine moderate Inflation die Sparer veranlassen wßrde, Kredite durch Spareinlagen zu ersetzen, um kßnftige Ausgaben zu finanzieren. Diese Substitution wßrde dazu fßhren, dass die Realzinssätze fßr das Marktgleichgewicht sinken.cite-ref-116[116] Der niedrigere Realzins wßrde zu einer hÜheren Kreditaufnahme zur Finanzierung von Investitionen fßhren. In ähnlicher Weise zeigte James Tobin, dass eine solche Inflation Unternehmen dazu veranlassen wßrde, Investitionen in Sachkapital (Anlagen, Ausrßstung und Vorräte) durch Geldguthaben in ihren VermÜgensportfolios zu ersetzen. Diese Substitution wßrde bedeuten, sich fßr Investitionen mit niedrigeren realen Renditen zu entscheiden. (Die Renditen sind niedriger, da bereits frßher Investitionen mit hÜheren Renditen getätigt wurden.)cite-ref-117[117] Sofern die Wirtschaft nicht bereits nach Modellen der Wachstumstheorie ßberinvestiert, wßrden diese zusätzlichen Investitionen positive Effekte haben.
Formen
Je nach Stärke und Tempo der Preissteigerung unterscheidet man zwischen schleichender Inflation, trabender Inflation, galoppierender Inflation und Hyperinflation.
Die Inflation kann man in Phasen einordnen: akzelerierte Phase (steigende, beschleunigte) â stabilisierte (gleichbleibende) Phase â dezelerierte (abnehmende) Phase. Die dezelerierte Phase wird auch als Disinflation bezeichnet.
Der Begriff âInflationâ bezeichnete ursprĂźnglich die Inflationen der frĂźhen 1920er Jahre, die heute als schwere oder Hyperinflationen gelten. Heute wird er losgelĂśst von der tatsächlichen Geschwindigkeit der ErhĂśhung des Preisniveaus in einem Land gebraucht.
Leichte Inflation (bis etwa 5 % Wertverlust im Jahr) hat nachfragefĂśrdernde Wirkung, da Leute ihr Geld ausgeben oder investieren wollen. Freilich verlangen sie fĂźr Investitionen immer noch eine Liquiditätsprämie, das heiĂt die Renditen mĂźssen deutlich Ăźber der Inflationsrate liegen.
Bei schwerer Inflation (ab rund 5 % Wertverlust im Jahr) verliert das Tauschmittel Geld seinen Wert schneller als andere GĂźter (zum Beispiel Immobilien, Aktien, Sachkapital allgemein) und bĂźĂt daher die WertmaĂstabsfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion ein, stattdessen wird eine Ersatzwährung verwendet, so zum Beispiel Zigaretten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, der US-Dollar in der TĂźrkei (frĂźher) oder Argentinien. Es kommt zur Flucht in wertstabile Sachwerte und zu Kapitalflucht. Auf den Kapitalmärkten nimmt das Kapitalangebot ab, da die Anbieter wegen der Inflation mit einem Werteverzehr rechnen, der Kapitalzins steigt. Aus gleichem Grund werden langfristige Kredite kaum noch angeboten, schon gar nicht mit festem Zins. So besteht auch fĂźr Kreditnehmer keine Planungssicherheit mehr. Bisher knapp lohnende Investitionen werden durch Zinssteigerung unrentabel; Unternehmen, deren Rendite nicht mehr ausreicht, Ăźberschulden sich.
Besonders schwere Inflationen mit monatlichen Wertverlusten von ßber 50 % werden auch als Hyperinflationen bezeichnet. Hyperinflationen kamen in der Geschichte schon mehrmals auch deshalb zum Stillstand, weil selbst der Realwert des Papiers zum Drucken der Banknoten hÜher war als der Wert einer Banknote. Häufig gibt es nach einer Hyperinflation eine Währungsreform.
| Datum | Kaufpreis |
|---|---|
| 6. Juni 1912 | 7 Pfennig |
| 6. August 1923 | 923 Papiermark |
| 27. August 1923 | 177.500 Papiermark |
| 17. September 1923 | 2,1 Millionen Papiermark |
| 15. Oktober 1923 | 227 Millionen Papiermark |
| 5. November 1923 | 22,7 Milliarden Papiermark |
| 15. November 1923 | 320 Milliarden Papiermark |
Schwere Inflationen waren in der Geschichte unter anderem zu beobachten:
⢠die Krise des rÜmischen Reiches von 260 bis ca. 300 mit einer Inflation von 10 % pro Jahr,cite-ref-118[118]
⢠die Preisrevolution im 16. Jahrhundert,
⢠um 1622 in Europa in der Zeit des DreiĂigjährigen Krieges (siehe Kipper- und Wipperzeit und Kursächsische KippermĂźnzstätten),
⢠um 1920 bis 1924 in Ăsterreich,cite-ref-119[119]
⢠um 1923 in Deutschland und in Ungarn,
⢠1939â1948 in Deutschland (zurĂźckgestaute Inflation, korrigiert durch Währungsreform),
⢠1945â1946 in Ungarn (siehe PengĹ)
⢠Nach den beiden Ălpreiskrisen 1973/74 und 1979/80 kam es zu relativ hohen Inflationsraten. In den 1970er Jahren trugen auch andere Faktoren zu relativ hohen Inflationsraten bei,
⢠jahrzehntelang bis 1991 in Argentinien,
⢠jahrzehntelang bis 1994 in Brasilien (â Brasilianischer Real),
⢠um 2002 in Argentinien,
⢠Hyperinflation seit 2007 in Venezuela: Der Venezolanischer BolĂvar wurde seit Beginn des Verfalls mehreren Währungsschnitten unterzogen: BolĂvar fuerte, BolĂvar soberano, BolĂvar digital. Insgesamt wurden zwischen 2007 und 2021 vierzehn Nullen gestrichen.
⢠Hyperinflation 2008/2009 in Simbabwe; nach dessen Abschaffung im Oktober 2015 hatte das Land bis 2019 keine eigene Währung mehr. Laut dem CATO Institute betrug die Hyperinflation in Simbabwe per Ende Oktober 2008 gegenĂźber Ende Oktober 2007 2,79 Trillionen ( 2 , 79 â
â
10 18 ) {\displaystyle (2{,}79\cdot 10^{18})} %.cite-ref-120[120]
⢠In der TĂźrkei hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise im April 2024 stark beschleunigt. Die Inflationsrate lag laut StatistikbehĂśrde TUIK bei 69,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat â auf dem hĂśchsten Stand seit Dezember 2022. Im Vergleich zum Vormonat habe die Teuerung 1,3 Prozent betragen.cite-ref-121[121]
Theorien
Ăber Inflation gab es historisch verschiedene Theorien. Dabei ist besonders die Debatte zwischen Keynesianern einerseits und den Monetaristen und Vertretern der neuen klassischen MakroĂśkonomik andererseits hervorzuheben.cite-ref-122[122] Diese Theorien wurden im Rahmen der neuen neoklassischen Synthese zusammengefĂźhrt. Der Neukeynesianismus stellt die heute allgemein akzeptierte makroĂśkonomische Theorie dar.cite-ref-123[123]cite-ref-124[124]
Daneben gibt es heterodoxe Theorien Ăźber Inflation. Diese werden vom Ăśkonomischen Mainstream nicht geteilt.cite-ref-17-125-0[125]
Neukeynesianismus
â
Hauptartikel
:
Neukeynesianismus
Siehe auch
:
Phillips-Kurve
und
Dynamische stochastische allgemeine Gleichgewichtsmodelle
Der Neukeynesianismus ist die dominante Theorie des internationalen makroĂśkonomischen Mainstreams.cite-ref-126[126]
Die moderne neukeynesianische Theorie geht davon aus, dass Inflation kurz- und mittelfristig im Wesentlichen durch die Entwicklung der Kostenstruktur von Waren und Dienstleistungen, sowie die Gesamtnachfrage bestimmt wird.cite-ref-127[127] Das bedeutet, dass die realen Grenzkosten der Unternehmen die Inflation determinieren. AuĂerdem spielen die Erwartungen der Ăśkonomischen Agenten Ăźber die zukĂźnftige Entwicklung der Inflation eine Rolle.cite-ref-10-128-0[128] Dieser Zusammenhang wird in der neukeynesianischen Phillips-Kurve beschrieben.cite-ref-10-128-1[128]
Der Neukeynesianismus fĂźhrte zur Entwicklung von dynamischen stochastischen allgemeinen Gleichgewichtsmodellen (DSGE), welche heute von vielen Zentralbanken zur Modellierung der Geldpolitik eingesetzt werden.cite-ref-129[129]cite-ref-130[130] Die europäische Zentralbank verwendet zum Beispiel das SmetsâWouters Modell, ein DSGE-Modell, um die Auswirkungen ihrer Geldpolitik auf die Eurozone zu untersuchen.cite-ref-131[131]
Historisch
Keynesianismus
â
Hauptartikel
:
Keynesianismus
Eines der Grundprinzipien des Keynesianismus ist die negative Abhängigkeit zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Grundlage fĂźr diese Annahme bildeten empirische Untersuchungen auf der Basis historischer Daten, die mit sinkender Arbeitslosigkeit ein hĂśheres Preisniveau verbanden (Phillips-Kurve). Theoretisch erklärt wurde dieses Prinzip damit, dass mit sinkender Arbeitslosigkeit das Volkseinkommen steigt und hierdurch die KonsumgĂźternachfrage stärker ansteigt als Produktionskapazitäten geschaffen werden kĂśnnen. Dazu kommt, dass bei Vollauslastung die Preise ansteigen und die Gewerkschaften bei geringerer Arbeitslosigkeit hĂśhere Lohnforderungen durchsetzen kĂśnnen, was sich auf die Preise auswirkt (siehe auch Grundlohnsummenveränderungsrate). SchĂśpft eine Volkswirtschaft ihre ProduktionsmĂśglichkeiten zur Gänze aus â man spricht in diesem Zusammenhang von der ProduktionsmĂśglichkeitenkurve (PMK), Synonym Transformationskurve â so fĂźhrt ein Anstieg der Nachfrage im Keynesianismus voll zu einer Preissteigerung. Die Unternehmen kĂśnnen die erhĂśhte Nachfrage nach Produkten nicht ausgleichen, daher werden diese Produkte einfach teurer (vgl. Nachfrage-Sog-Inflation oben). Fraglich ist, ob nicht schon vor Erreichen einer allgemeinen Vollauslastung der Kapazitäten schon in einzelnen Wirtschaftszweigen Engpässe auftreten, so dass die Preise bereits zu klettern anfangen, bevor Vollbeschäftigung und allgemein Vollauslastung der Kapazitäten erreicht worden ist.
Monetarismus
â
Hauptartikel
:
Monetarismus
Der Monetarismus sieht allein im Wachstum der Geldmenge die Ursache fĂźr Inflation. Milton Friedman prägte dafĂźr den griffigen Slogan: âMoney mattersâ â âEs kommt auf die Geldmenge anâ. Inflation sei immer und Ăźberall ein monetäres Phänomen.cite-ref-132[132]
Der Monetarismus griff eine zentrale Annahme der keynesianischen Inflationstheorie an: die Phillips-Kurve. Friedman und Edmund Phelps (der kein Monetarist war) schlugen eine erweiterte Form der Phillips-Kurve vor, die die MĂśglichkeit eines stabilen, langfristigen Kompromisses zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit ausschloss.cite-ref-133[133] Die Ălschocks der 1970er Jahre fĂźhrten zu einer hohen Arbeitslosigkeit und Inflation, wodurch Friedman und Phelps empirisch bestätigt wurden. Der Monetarismus war in den frĂźhen 1980er Jahren besonders einflussreich. Er verlor in den folgenden Jahrzehnten jedoch wieder an Einfluss, da es den Zentralbanken schwerfiel, die Geldmenge anstelle der Zinssätze zu steuern.
Neue Klassische MakroĂśkonomik
â
Hauptartikel
:
Neue Klassische MakroĂśkonomik
Die neue klassische MakroĂśkonomie (NKM) forderte zentrale Annahmen des Keynesianismus heraus. Die theoretische Weiterentwicklung war dabei die EinfĂźhrung von rationalen Erwartungen in die Modellbildung durch Robert Lucas. Zuvor hatten keynesianische Ăkonomen im Allgemeinen mit adaptiven Erwartungen gearbeitet, bei denen angenommen wurde, dass Ăśkonomische Agenten die jĂźngste Vergangenheit betrachten, um Erwartungen Ăźber die Zukunft zu erstellen. Rationale Erwartungen bedeuten eine hĂśhere Komplexität der Agenten. Zum Beispiel werden Verbraucher nicht einfach eine Inflationsrate von 2 % annehmen, nur weil dies der Durchschnitt der letzten Jahre war. Sie werden sich mit der aktuellen Geldpolitik und den wirtschaftlichen Bedingungen befassen, um eine eigene Prognose zu erstellen.cite-ref-134[134]
Die NKM konnte zeigen, dass unter Annahme von perfekter Preiselastizität und rationalen Erwartungen Geldpolitik nur zu Inflation fßhre und keine konjunkturellen Effekte aufwies.cite-ref-135[135]
Heterodoxe Theorien
Es gibt Inflationstheorien, die vom Mainstream der Ăśkonomischen Wissenschaft nicht geteilt werden.cite-ref-17-125-1[125]
Ăsterreichische Schule
Ludwig von Mises, ein Vertreter der Ăsterreichischen Schule, verstand unter Inflation die Ausweitung (lat. inflare) der ungedeckten Geldmenge. Durch zyklisches und unkontrolliertes Geldwachstum entstĂźnden Kredite ex nihilo mit kĂźnstlich niedrigen Zinsraten. Durch die Inflation und die Kreditexpansion wĂźrde das gesamte Preissystem verzerrt, der Preis verliere seine Funktion der Information Ăźber Knappheit, unproduktive Produktionsweisen wĂźrden dadurch kĂźnstlich am Leben gehalten. Hierbei handelt es sich um die Sichtweise, die der ursprĂźnglichen Bedeutung am nächsten kommt. Inflation beschreibt einen Ausdehnungsprozess.
Neu geschaffenes Geld gelangt von den Zentral- und Geschäftsbanken zu Marktteilnehmern, die mit diesem neuen Geld GĂźter nachfragen. Diese zusätzliche Nachfrage wird in steigenden Preisen sichtbar. Die Ursache fĂźr Inflation ist damit in der SchĂśpfung von ungedecktem Geld so wie in gesetzlich privilegierten Institutionen des Bank- und Finanzwesens zu finden (Annahmezwang von Gesetzlichen Zahlungsmitteln, Zentralbankwesen, Teilreservebanken, Währungsmonopol usw.cite-ref-136[136]). Aus dieser Sicht geht auch hervor, dass die Inflation sich nicht gleichmäĂig in allen Preisen widerspiegelt, sondern durch Cantillon-Effekte beeinflusst wird.
Verkäuferinflation
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Hauptartikel
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Isabella M. Weber #Unternehmensprofite als Inflationstreiber
Die Ăkonomin Isabella M. Weber beschäftigt sich mit einer aktuellen Theorie zur Erklärung der Inflation ab dem Jahr 2021 mit der Rolle von Unternehmen und spricht von einer âVerkäuferinflationâ (englisch sellers' inflation). Als Ausgangspunkt der Inflation sieht Weber einen âKostenschock in systemisch wichtigen Bereichenâ der Wirtschaft. Im Zentrum standen dabei starke Preissteigerungen fĂźr Energie und in der Schifffahrt. Dieser Schock habe dann als âKoordinations-Mechanismus fĂźr PreiserhĂśhungenâ fĂźr viele Unternehmen gedient.cite-ref-137[137]cite-ref-138[138]cite-ref-139[139]
Produktionskosten
Die klassischen Ăkonomen wie Adam Smith, David Ricardo bis hin zu Karl Marx vertraten eine Produktionskostentheorie des Geldes. FĂźr sie waren der Wert des Geldes und damit die Preise durch die Arbeitswertlehre bestimmt. Adam Smith drĂźckte dies so aus: âDas Verhältnis zwischen dem Werte des Goldes und Silbers und dem irgendwelcher anderer GĂźter hängt ⌠von dem Verhältnis zwischen der Menge Arbeit ab, die nĂśtig ist, um eine bestimmte Menge Gold und Silber, und der Menge Arbeit, die nĂśtig ist, um eine bestimmte Menge irgendeiner anderen Art auf den Markt zu bringen.â Die Warenpreise konnten nach der Arbeitswertlehre also nur dann dauerhaft steigen, wenn die Arbeitsproduktivität bei der Gold- oder Silbergewinnung dauerhaft rascher gesteigert werden konnte, als diejenige bei der Produktion der anderen Waren.
Nach der Produktionskostentheorie des Geldes (oder nach der Arbeitswerttheorie) fĂźhrten die groĂen Gold- und Silberimporte aus SĂźdamerika nach der Entdeckung Amerikas nicht deshalb zu einer Inflation in Europa, weil das viele Gold eine vergleichsweise kleine Menge an Waren âjagteâ â das sagt die Quantitätstheorie des Geldes â, sondern weil plĂśtzlich weniger Arbeitszeit erforderlich war, um eine bestimmte Menge an Gold oder Silber zu gewinnen. Die Ausdehnung der Geldmenge (Menge an umlaufenden Gold- und Silbermengen) war nur Symptom des plĂśtzlich geringer gewordenen Arbeitswertes der Edelmetalle. Die Klassiker nahmen an, dass zum Umschlag der Waren einer Volkswirtschaft, die insgesamt einen bestimmten Wert hatten, eine Goldmenge von insgesamt einem bestimmten Wert benĂśtigt wurde, abhängig von der Umlaufsgeschwindigkeit der GoldmĂźnzen. Die Umlaufgeschwindigkeit wurde dabei als stabil angenommen. Sank der Wert der einzelnen GoldmĂźnzen wegen ErhĂśhung der Arbeitsproduktivität bei der Goldgewinnung, wurden zum Ausgleich entsprechend mehr GoldmĂźnzen fĂźr den Geldumlauf benĂśtigt. Die ErhĂśhung der Geldmenge war also nur Symptom der Verminderung des Wertes der einzelnen GoldmĂźnze.
Wurde mehr Gold, als fĂźr den Warenumschlag benĂśtigt, in Umlauf gebracht, fĂźhrte dies nicht zu Preissteigerungen, sondern das ĂźberschĂźssige Gold wurde als Wertaufbewahrungsmittel gehortet. Die Wirtschaftssubjekte wollten Gold nicht unter Wert gegen Waren tauschen, so die Annahme der Klassiker.
Anders sah es beim Papiergeld aus. FĂźr das Papiergeld galten keine anderen Gesetze als fĂźr GoldmĂźnzen, solange der Staat oder die Banken das Papiergeld nur in solchen Mengen ausgaben, dass es jederzeit zu einem bestimmten Verhältnis in Gold eingetauscht werden konnte. Aber beispielsweise während der Koalitionskriege floss aus GroĂbritannien sehr viel Gold ins Ausland ab oder wurde gehortet. SchlieĂlich wurde die GoldeinlĂśsungspflicht fĂźr Papierbanknoten durch den englischen Staat aufgehoben. Nach einiger Zeit gab es dann zwei Preise. Die stabilen Preise der Waren in Gold ausgedrĂźckt und die steigenden Preise der Waren in Papiergeld ausgedrĂźckt.
Marx stellte den Sachverhalt so dar: Solange die fĂźr den Warenumschlag benĂśtigte Goldmenge durch Papiergeld ersetzt wird, sind Gold und das es repräsentierende Papiergeld gleich viel wert. Wird aber in Notzeiten von den Banken der Papiergeldumlauf Ăźber den notwendigen Goldumlauf gesteigert, dann steigen genau in dem MaĂe die Preise in Papiergeld ausgedrĂźckt. Während also zu viel Gold die Preise nicht anhebt, sondern als Wertaufbewahrungsmittel gehortet wird, trauen die Wirtschaftssubjekte dem Papiergeld diese Fähigkeit zur Wertbewahrung nicht zu, es wird verausgabt. Dann âjagenâ aber zu viele Banknoten zu wenige Waren. Die Preise in Papiergeld ausgedrĂźckt steigen. FĂźr das Papiergeld gilt insoweit die Quantitätstheorie des Geldes.
Steuerung
Geldpolitik
â
Hauptartikel
:
Geldpolitik
Obwohl sowohl die Fiskal- als auch die Geldpolitik die Inflation beeinflussen kÜnnen, verlassen sich die meisten Länder seit den 1980er Jahren hauptsächlich auf die Geldpolitik, um die Inflation zu steuern.cite-ref-142[142] Wenn eine Inflation ßber ein akzeptables Niveau hinaus auftritt, kann die Zentralbank des Landes den Zinssatz erhÜhen, was die Inflationsentwicklung stabilisieren soll. Zentralbanken folgen heute meist der Taylor-Regel bei der Festlegung des Zinssatzes.cite-ref-20-58-4[58]
Die europäische Zentralbank (EZB) modelliert die Effekte ihrer Geldpolitik Ăźber den Transmissionsmechanismus.cite-ref-143[143] Dabei geht man davon aus, dass eine Reihe Ăśkonomischer KenngrĂśĂen bei einer Veränderung der Leitzinsen beeinflusst werden, welche wiederum weitere Effekte nach sich ziehen (siehe nebenstehende Grafik).cite-ref-27-144-0[144] Ein hĂśherer Leitzins wirkt sich schlieĂlich auf die Inflationserwartung, Angebot und Nachfrage nach GĂźtern, den Arbeitsmarkt (Arbeitslosigkeit), die LĂśhne und die Importpreise aus, welche unmittelbaren Einfluss auf die Preisentwicklung im Euroraum haben.cite-ref-27-144-1[144]cite-ref-20-58-5[58]
Dabei ist zu beachten, dass die Transmission durch variable und unsichere ZeitverzĂśgerungen (eng. time lags) gekennzeichnet ist. Daher ist es schwierig, den genauen Zeitpunkt der Wirkung geldpolitischer MaĂnahmen auf die Wirtschaft und das Preisniveau zu modellieren. Die Wirksamkeit des Transmissionsmechanismus wird durch theoretische Modelle und empirische Forschung gestĂźtzt.cite-ref-145[145]cite-ref-26-146-0[146]
Seit den 2010er Jahren werden neben Ănderungen der Leitzinsen auch sogenannte unkonventionelle geldpolitische MaĂnahmen eingesetzt, aufgrund einer Inflationsrate unterhalb der Zielinflation trotz niedriger Leitzinsen.cite-ref-26-146-1[146] Diese MaĂnahmen werden eingesetzt, um die Inflation trotz der 0-%-Grenze fĂźr nominale Zinssätze weiterhin zu steuern und Preisstabilität sicherzustellen.cite-ref-147[147] Zu unkonventionellen MaĂnahmen zählt zum Beispiel die Quantitative Lockerung.cite-ref-26-146-2[146]
Einige Zentralbanken haben ein symmetrisches Inflationsziel, während andere die Inflation kontrollieren, sobald sie einen Schwellenwert ßberschreitet.cite-ref-148[148] In den meisten Ländern haben die Zentralbanken oder andere WährungsbehÜrden die Aufgabe, den Interbankenzins stabil auf niedrigem Niveau und die Zielinflationsrate bei etwa 2 bis 3 % zu halten.cite-ref-1-98-1[98]
Die Europäische Zentralbank hat ein Inflationsziel mit einer mittelfristigen Inflationsrate von 2 % pro Jahr. Dieses Ziel wird von der EZB symmetrisch formuliert, Abweichungen nach oben und nach unten werden also gleichermaĂen als nachteilig betrachtet.cite-ref-12-149-0[149]
Historisch
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es eine Debatte zwischen Keynesianern und Monetaristen Ăźber das geeignete Instrument zur Kontrolle der Inflation.cite-ref-150[150] Monetaristen betonen eine niedrige und stetige Wachstumsrate der Geldmenge, während die Keynesianer betonen, dass die Gesamtnachfrage während der Wirtschaftsexpansion reduziert und die Nachfrage während der Rezession erhĂśht wird, um die Inflation stabil zu halten.cite-ref-151[151] Die Geldmenge ist seit den 1990er Jahren in der Inflationssteuerung von Zentralbanken keine relevante KenngrĂśĂe mehr.cite-ref-14-88-1[88]
Goldstandard
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Hauptartikel
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Goldstandard
Der Goldstandard ist ein Währungssystem, in dem das gemeinsame Tauschmittel einer Region Papiernoten sind, die normalerweise frei in voreingestellte, feste Goldmengen umgewandelt werden kĂśnnen.cite-ref-154[154] Der Standard legt fest, wie die Golddeckung umgesetzt wird, einschlieĂlich der Menge an Gold pro Währungseinheit. Die Währung selbst hat keinen intrinsischen Wert, wird aber von Händlern akzeptiert, da sie gegen die entsprechende Menge Goldes eingelĂśst werden kann.cite-ref-155[155]
Der Goldstandard wurde durch die internationale Ăbernahme des Bretton-Woods-Systems teilweise aufgegeben. Unter diesem System waren alle anderen wichtigen Währungen zu festen Kursen an den US-Dollar gebunden, der selbst von der US-Regierung zu einem Kurs von 35 US-Dollar pro Unze an Gold gebunden war. Das Bretton-Woods-System brach 1971 zusammen, was dazu fĂźhrte, dass die meisten Länder auf Fiatgeld umstiegen â Geld, das nur durch die Gesetze und Rechtssicherheit des Landes garantiert wird.cite-ref-156[156]
Bei einem Goldstandard wßrde die langfristige Inflationsrate (oder Deflation) durch die Wachstumsrate des Goldangebots im Verhältnis zur Gesamtproduktion bestimmt.cite-ref-157[157] Kritiker argumentieren, dass dies zu willkßrlichen Schwankungen der Inflationsrate fßhren und die Geldpolitik im Wesentlichen durch den Goldabbau bestimmt wßrde. Dies hätte in wirtschaftlichen Abschwßngen katastrophale Folgen.cite-ref-9-152-1[152]cite-ref-158[158]
Der Goldstandard wird besonders von Vertretern der heterodoxen Ăsterreichischen Schule propagiert.cite-ref-159[159]cite-ref-160[160]cite-ref-161[161]
Preiskontrollen
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Hauptartikel
:
Preiskontrolle
Siehe auch
:
Einkommenspolitik
Eine andere historische Methode zur Inflationssteuerung waren Lohn- und Preiskontrollen. Lohn- und Preiskontrollen haben sich in Kriegszeiten in Kombination mit Rationierung bewährt. Ihre Verwendung in anderen Kontexten ist jedoch weitaus gemischter. Zu den bemerkenswerten Misserfolgen bei ihrer Verwendung gehĂśrt die EinfĂźhrung von Lohn- und Preiskontrollen im Jahr 1972 durch Richard Nixon.cite-ref-3-162-0[162] Viele Ăkonomen halten Preisbindungen fĂźr sinnlos oder schädlich.cite-ref-3-162-1[162]cite-ref-4-153-1[153]
Im Allgemeinen werden Lohn- und Preiskontrollen als vorĂźbergehende und auĂergewĂśhnliche MaĂnahme angesehen, die nur in Verbindung mit MaĂnahmen zur Verringerung der zugrunde liegenden Inflationsursachen während des Lohn- und Preiskontrollregimes wirksam sind, z. B. wenn der Krieg gewonnen wird. Sie haben oft sehr negative Auswirkungen aufgrund der verzerrten Preissignale, die sie an den Markt senden. KĂźnstlich niedrige Preise fĂźhren oft zu Knappheit und Engpässen und schrecken zukĂźnftige Investitionen ab, was zu weiterem Mangel fĂźhrt. Die Ăźbliche Ăśkonomische Analyse zeigt, dass jedes Produkt oder jede Dienstleistung, die zu niedrig bepreist wird, zu stark konsumiert wird. Wenn beispielsweise der offizielle Brotpreis zu niedrig ist, wird es zu wenig Brot zu den festgelegten Preisen geben und der Markt wird zu wenig in die Brotherstellung investieren, um den zukĂźnftigen Bedarf zu decken, wodurch das Problem langfristig verschärft wird.cite-ref-4-153-2[153]
Frankreich fßhrte im Herbst 2023 im Rahmen eines Inflationspaktes und gegen Konzern-Widerstände (Unilever, Nestle, Pepsico) Fixpreise fßr 5000 Lebensmittelprodukte ein.cite-ref-163[163]cite-ref-164[164] Schon im Jahr zuvor hatte es in der Lebensmittelbranche schärfere staatliche Preiskontrollen gegeben.cite-ref-32-165-0[165] Staatliche Verbraucherschßtzer hätten schon 1.200 Inspektionen vorgenommen.cite-ref-32-165-1[165]
Abgrenzung
Im allgemeinen Sinne und politischen Sprachgebrauch werden verschiedene Erscheinungen mit Inflation in Verbindung gebracht oder gleichgesetzt, die unter Umständen keine Inflation sind.
Kassenhaltung
Kassenhaltungs-Inflation bezeichnet einen Zustand, in dem die Wirtschaftssubjekte hÜhere Geldbestände horten, als sie eigentlich wollen. Nach Ükonomischer Theorie tritt diese Situation in freien Märkten nicht auf, da die hÜheren Geldbestände zu Inflation fßhren mßssen. Werden die Preise jedoch (staatlich) administriert und erfolgt die Messung des Preisniveaus anhand der administrierten Preise, so liegt keine Inflation vor. Hilfsweise kann Inflation allerdings auf nicht-administrierten Märkten (Schwarzmarkt) gemessen werden. Ob Inflation vorliegt, ist also eine Frage der Anerkennung einer Definitions-Autorität. Gegen diese These ist einzuwenden, dass gehortete Geldbestände nicht per se ein Geldangebot darstellen. Nur der Teil der Geldbestände, den die Wirtschaftssubjekte planen, in der betrachteten Periode gegen Waren und Dienstleistungen einzutauschen, stellt ein Geldangebot dar.cite-ref-166[166]
Externer Preisschock
Dieser Ausdruck wurde im Zuge der sogenannten Ălkrisen häufig verwendet. Der Preisanstieg eines Gutes fĂźhrt allerdings nicht zwangsläufig zu einem Anstieg des Preisniveaus. Sinken gleichzeitig die Preise anderer GĂźter, kann das Preisniveau konstant bleiben. Es liegt dann keine Inflation vor. Alimentiert die Notenbank jedoch die PreiserhĂśhungen, kann ein Effekt analog der sogenannten Kostendruck-Inflation ausgelĂśst werden.cite-ref-167[167]
Inflationssteuer
Eine Inflationssteuer gibt und gab es nicht. Inflationssteuer ist ein Schlagwort, das den wirtschaftlichen Nachteil von Inflation pejorativ mit dem wirtschaftlichen Nachteil einer Steuer gleichsetzt. Bei gleichbleibendem Nominaleinkommen bleibt auch die Einkommensteuer unverändert, jedoch verringert sich das Realeinkommen aufgrund der Inflation. Gleichzeitig verlieren die Staatsschulden real an Wert (dies gilt nur bei nicht inflations-indexierten Anleihen und einer unerwartet hohen Inflation, denn wenn eine bestimmte Inflationsrate erwartet wird, wird diese Inflationsrate in den verlangten Zins mit eingepreist). Der Staat entschuldet sich bei unerwartet hoher Inflation also ohne eigene Leistung. Dies gilt zwar auch fßr alle anderen Schuldner. Der Staat ist jedoch als einziger in der Lage, durch seine Politik Inflation wirksam zu erhÜhen. Als letzten Effekt kann der Staat Inflationsgewinne der Steuerbßrger besteuern. So waren nach der Hyperinflation der 20er Jahre die Immobilienbesitzer faktisch entschuldet. Diesen Inflationsgewinn besteuerte der Staat mit der Hauszinssteuer.
Wirtschaftliche Aspekte
Die Bekämpfung der Inflation wird vom Ükonomischen Staatsziel der Preisniveaustabilität gefordert, das sowohl im Europarecht (Art. 127 AEUV) als auch im deutschen Recht (§ 1 StabG) kodifiziert ist. Um das Ziel zu erfßllen, stehen den Staaten und deren Zentralbanken die Instrumente der Wirtschaftspolitik, insbesondere der Geld- und Währungspolitik, zur Verfßgung.
Aus Sicht des Monetarismus entsteht die Inflation dadurch, dass die Zunahme der Geldmenge das Wirtschaftswachstum Ăźbersteigt.cite-ref-168[168] Bei gegebenem Wirtschaftswachstum muss die Geldmenge durch die Geldpolitik der Zentralbank so reduziert werden, dass sie sich unterhalb des Wirtschaftswachstums bewegt. Das kann durch eine restriktive Geldpolitik wie etwa ErhĂśhung der Mindestreserven oder des Leitzinses erreicht werden.
Längere Zeit andauernde Inflation fßhrt zur Flucht in die Sachwerte. Die Bezieher fester Einkommen (Arbeitnehmer, Pensionäre) sind bei einer Inflation ebenso benachteiligt wie Sparer und sonstige Gläubiger von Nominalwerten. Sie erleiden VermÜgensverluste, wenn die Inflationsrate den Habenzins bzw. Kapitalertrag ßbersteigt.cite-ref-169[169] Dann besteht ein negativer Realzins und eine negative Realrendite. Schuldner haben dagegen Vorteile, weil der Realwert ihrer Verbindlichkeiten abnimmt. Langfristig kann die Inflation die soziale Sicherheit und den Wohlstand gefährden.cite-ref-170[170] Es kann eine Inflationsmentalität entstehen, die einen Kaufrausch auslÜst, der die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und auch die Gßternachfrage erhÜht, was die Inflation noch beschleunigt.cite-ref-171[171]
Bei konstantem Konsum erhĂśhen sich durch Preissteigerungen bei Inflation die Konsum- und Investitionsausgaben, so dass Wirtschaftssubjekte bei gegebenem Einkommen an eine Konsum- und Investitionsgrenze stoĂen, die sie zum Sparen durch Senkung ihrer GĂźternachfrage zwingt. Dies geschieht durch absolut geringeren Konsum oder durch Substitution teurerer GĂźter durch preiswertere SubstitutiionsgĂźter. Die geringere GĂźternachfrage bewirkt bei konstantem GĂźterangebot wiederum einen RĂźckgang der Inflation.
Der aktuelle wissenschaftliche Konsens besagt, dass Inflation im Wesentlichen durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage entsteht.cite-ref-172[172]cite-ref-31-54-1[54]cite-ref-13-173-0[173] Sehr hohe Inflation und Hyperinflation kann auch durch ein zu starkes Geldmengenwachstum erklärt werden.cite-ref-21-85-3[85]cite-ref-29-59-1[59] Inflation beeinflusst Ăkonomien auf verschiedene Weisen. Sie macht Sparen unattraktiver und begĂźnstigt Verschuldung und Konsum durch eine ErhĂśhung der Opportunitätskosten fĂźr das Halten von Geld. Es kann bei hoher Inflation zu Knappheit kommen, da Konsumenten aus Sorge vor weiteren Preisanstiegen GĂźter horten. Zu den positiven Effekten einer stabilen niedrigen Inflation zählt die Vermeidung von Ineffizienzen einer Deflation.cite-ref-174[174]
Es ist ebenso Ăśkonomischer Konsens, dass hohe Inflationsraten und Hyperinflation schädlich sind.cite-ref-175[175] Die meisten Ăkonomen befĂźrworten daher eine niedrige und stabile Inflationsrate.cite-ref-176[176]cite-ref-8-9-1[9] Eine niedrige Inflation (im Gegensatz zu einer Null- oder negativen Inflation) verringert die Schwere wirtschaftlicher Rezessionen, indem sie es dem Arbeitsmarkt ermĂśglicht, sich im Abschwung schneller anzupassen. Sie verringert auch das Risiko einer Deflation.cite-ref-177[177] Die Aufgabe, die Inflationsrate niedrig und stabil zu halten, wird in der Regel Zentralbanken Ăźbertragen. Sie sollen die Inflationsrate durch Geldpolitik steuern. Dazu nutzen sie verschiedene Instrumente: die Festsetzung von Leitzinsen, Offenmarktpolitik, Mindestreservepflichten sowie Forward guidance. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank ist eine mittelfristige Inflation von 2 % pro Jahr in der Eurozone.cite-ref-12-149-1[149]
Siehe auch
⢠Kippertaler der Kipper- und Wipperinflation
⢠KippermĂźnzstätten (Kursachsen) â MĂźnzstätten der Kipper- und Wipperinflation
⢠BĂśse Halser der Schinderlingszeit, eine Inflation (1457â1460)
⢠Shrinkflation
⢠Skimpflation
Literatur
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⢠Christopher Sims: A Simple Model for Study of the Determination of the Price Level and the Interaction of Monetary and Fiscal Policy. In: Economic Theory. Springer, Band 4, Nr. 3, 1994, S. 381â399.
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Rundfunkberichte
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Weblinks
⢠Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex fßr Deutschland
⢠Verbraucherpreisindex fĂźr Ăsterreich
⢠Schweizerischer Landesindex der Konsumentenpreise
⢠Statistiken der Europäischen Zentralbank (englisch)
⢠Inflation in den Neuen Bundesländern (in Quartalsberichten)
⢠Jßrgen Pätzold: Das Inflationsproblem. Ursachen und Strategien.
⢠Informationen und Daten zum US-CPI beim Bureau of Labor Statistics
Einzelnachweise
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